1. Funktionen

1.3. Exponentialfunktion und Wachstum

Exponentialfunktion und Wachstum

Exponential- und Wachstumsfunktionen


In diesem Kapitel lernen wir eine besonders wichtige Funktion kennen - die Exponentialfunktion. Danach werden wir das Wachstum beliebiger Funktionen an Hand des Wachstums bereits bekannter Funktionen kategorisieren.


Einführendes Beispiel: Lineares und exponentielles Wachstum


Beispiel 1:

Kapitalentwicklung bei einfacher Verzinsung

Bei einer einfachen Verzinsung werden in jedem Jahr nur die einfachen Zinsen in der Höhe von K0p100 zum Anfangskapital K0 hinzugerechenet. Die Zinsen der weiteren Jahre werden immer nur vom Anfangskapital K0 berechnet. Es wird also davon ausgegangen, dass die jährlichen Zinsen an den Anleger ausbezahlt werden. Es ergibt sich für das Kapital nach n Jahren

K(n)=K0+K0p100n




Kapitalentwicklung mit Zinseszins

Bei einer Verzinsung mit Zinseszinsen werden jedes Jahr die Zinsen der vorangegangenen Jahre wiederum verzinst, d.h. das Anfangskapital K0 wird im jedem Jahr mit (1+p100) multipliziert. Es ergibt sich für das Kapital nach n Jahren

K(n)=K0(1+p100)n



Aufgabe:
Erläutern Sie das Zustandekommen dieser Formel.


Die beiden Formeln für die Zunahme des Kapitals sind eigentlich nur für volle Jahre (nN) anwendbar, da die Bank jährlich verzinst. Der Graph für das Kapital nach n Jahren ist deshalb ein diskreter Graph.

Näherungsweise kann man aber auch mit einem Exponenten xR arbeiten, um das Kapital zu beliebigen Zeitpunkten (z.B. x=1,75 Jahre) zu berechnen. Der Graph für das Kapital nach einer beliebigen Zeitspanne x besteht in diesem Fall aus einer stetigen Kurve. (Diese kontinuierliche Entwicklung kann in den Applets über das Kontrollkästchen ein- bzw. ausgeschaltet werden.)

Das Anwachsen eines Kapitals nach der Funktionsgleichung K(x)=K0(1+p100)x nennt man exponentielles Wachstum. Dieses Wachstum wird durch die Funktionsgleichung eines neuen Funktionstyp beschrieben. Bei dieser Art von Funktion steht die unabhängige Variable x im Exponenten und wird deshalb Exponentialfunktion genannt.



Die allgemeine Exponentialfunktion


Definition 1 (Exponentialfunktion zur Basis a)

Die Funktion

f:RR,f(x)=ax=exp(xlog(a)) für aR+

heißt Exponentialfunktion zur Basis a.


a>0 wird hier echt positiv gewählt, da für a<0 bspw. Ausdrücke der Form a12=a in R nicht lösbar sind.
Für a=0 hingegen sind bspw. Ausdrücke der Form a1=1a nicht definiert.
Satz 1 (Funktionalgleichung)

Für alle x,yR gilt:

a(x+y)=axay

Eigenschaften der allgemeinen Exponentialfunktion xax
  • Die Exponentialfunktion ist für alle xR definiert.
  • Sie nimmt nur positive Funktionswerte an.
  • Die Graphen aller Exponentialfunktionen der Form f(x)=ax gehen durch den Punkt (0|1).
  • Für 0<a<1 ist f(x) monoton fallend, für a=1 konstant und für a>1 monoton steigend.
  • Die Graphen von f(x)=ax und g(x)=ax=1ax liegen symmetrisch bezüglich der y-Achse. Für beide Graphen ist die x-Achse horizontale Asymptote.
  • Für 0<a<1 ist f(x)=ax monoton fallend, f divergiert für x und konvergiert gegen 0 für x
  • Für a=1 ist f konstant
  • Für a>1 ist f(x)=ax monoton steigend, f divergiert für x und konvergiert gegen 0 für x




Es gilt: a0=1 für alle a
Es gilt: 1x=1 für alle x
f(x)=ax=g(x)
f(x)=ax=a(x)=g(x)
Aufgabe: Bearbeiten Sie folgende Aufträge im untenstehenden Applet.

  1. (Diskussion von xax) Stellen Sie zunächst für m und b den Wert 1, für c und d den Wert 0 ein und ändern Sie mit Hilfe des Schiebereglers den Wert der Basis a und beschreiben Sie den Verlauf des Schaubildes für verschiedene Werte von a. Verifizieren Sie die oben genannten Eigenschaften der Funktion xax.
  2. Warum existiert die Funktion f(x) nicht für negative a?
  3. (Diskussion von xmax) Lassen Sie wiederum a fest (nicht 0) und veränderen Sie nur m. Beschreiben Sie die Auswirkungen auf das Schaubild und finden Sie eine bestimmte Eigenschaft für bestimmte Wertepaare von m heraus.
  4. (Diskussion von xabx) Lassen Sie nun a fest (nicht 0) und verändern Sie nur b. Beschreiben Sie die Auswirkungen auf das Schaubild und finden Sie eine bestimmte Eigenschaft für bestimmte Wertepaare von b heraus.
  5. (Diskussion von xax+c) Stellen Sie für m und b wieder den Wert 1 und für d den Wert 0 ein und ändern Sie mit Hilfe des Schiebereglers den Wert von c. Beschreiben Sie die Auswirkungen auf das Schaubild.
  6. (Diskussion von xax+d) Stellen Sie für m und b wieder den Wert 1 und für c den Wert 0 ein und ändern Sie mit Hilfe des Schiebereglers den Wert von d. Beschreiben Sie die Auswirkungen auf das Schaubild.





Nebenbemerkung (freiwillig):
Beispiel 2 (Die Exponentialfunktion wächst schneller als jede Potenz von x):

Für beliebiges mN gilt xm<o(exp(x)), denn für x>0 ist

exp(x)=n=0xnn!>xm+1(m+1)!

und damit

0limxxmexp(x)limxxmxm+1(m+1)!=0



Der Logarithmus - die Umkehrfunktion der Exponentialfunktion

Die Umkehrfunktion der Exponentialfunktion ist der Logarithmus loga(x):R+R. Er ist stetig und streng monoton wachsend.


Die Logarithmus-Funktion ergibt sich als Umkehrfunktion durch Umformen der Exponentialfunktion:

y=f(x)=ax

Dann ist:

x=f1(y)=loga(y)


Um die Funktion im gewohnten Koordinatensystem darzustellen, wird sie allerdings ebenfalls in der Form xf1(x) verwendet.

Aufgabe: Bearbeiten Sie folgende Aufträge im untenstehenden Applet.

  1. Ändern Sie mit Hilfe des Schiebereglers den Wert von a und beschreiben Sie den Verlauf des Schaubildes für verschiedene Werte von a. Was haben alle Funktionen gemeinsam? Welche Unterschiede für welche a gibt es?
  2. Was fällt Ihnen im Vergleich von Exponentialfunktion und Logarithmusfunktion auf? Beschreiben Sie die Lage beider Schaubilder zueinander.





Satz 2 (Funktionalgleichung)

Für alle x,yR+ gilt:

loga(xy)=loga(x)+loga(y)